Hier fliegen 20.000 Tonnen Gestein durch die Luft

Der Grafenauer Anzeiger war bei einer Sprengung im Schotterwerk Thiele in Schönberg dabei - Von Andrea Poschinger.

Nur noch wenige Sekunden hat Max Oswald Zeit. Schnell lenkt er seinen Gelände­wagen den Berg hoch. Über Funk hört er immer wieder die Durchsagen der Kollegen und das Herunterzählen des Count­downs. Am Ende der Anhöhe steht sein Ziel. Ein kleiner ver­rosteter Bunker mitten in der Landschaft. Endlich angekom­men, springt der Betriebsleiter aus dem Auto, hinein in den Bunker und stellt sich an einen der Sehschlitze. Für einen Moment ist die Hektik der letzten Stunden ver­gessen. Zusammen mit seinem Sprengmeister Josef Perl und vier Mitarbeitern wurden die Vorbereitungen für die letzte Sprengung in diesem Jahr getrof­fen. Allein 3242 Kilogramm an Sprengstoff mussten für den heutigen Tag besorgt werden. Mit schwerem Gerät bearbeitete man die 22 Meter hohe Fels­wand. 32 Löcher waren zu boh­ren, um den Sprengstoff unter­zubringen. Zirka 100 Kilo für je­des der Löcher, die alle im Ab­stand von 2,90 Meter voneinan­der liegen. Knapp drei Kilo wiegt eines dieser Sprengstoffpakete die in Form von Patronen mit 60 Millimeter Durchmesser zusam­men mit Sprengschnur und Zün­der in die Öffnungen geschoben werden. Im selben Augenblick wird Oswald aus seinen Gedanken gerissen. Sprengmeister Perl hatte den Knopf gedrückt und an der gegenüberliegenden Fels­wand gibt es einen kurzen lauten Knall.

Sprengung Schotterwerk Schönberg

Über 20 000 Tonnen Gestein lösen sich und krachen zu Boden. Die Vorbereitungen hat­ten ihre erhoffte Wirkung erzielt. Die Anspannung der letzten Minuten fällt vom Betriebsleiter ab. Wie geplant wurde innerhalb von einer halben Sekunde eine Gesteinswand von 3,60 Metern Breite und  93 Metern Länge dem Fels gesprengt. Die Fallrichtung des Gesteins hatte Oswald vorher genau berechnet, zusammen mit Sprengmeister Perl hat er eine Verzögerung zwischen den einzelnen Zünderschläuchen eingebaut, die von einem Bohrloch zum Nächsten laufen. In einem Abstand von einer neun tausendstel Sekunde zünden die einzel­nen Sprengpakete und beein­flussen auch Lautstärke und Er­schütterung. Das Schotterwerk Thiele liegt zwar im Gewerbege­biet - die Wohnhäuser sind je­doch nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt. Anhand der genau kalkulierten Kettenreak­tion können laut Messungen des Steinbruchs die vorgeschriebe­nen Werte weit unterboten wer­den. Mit schnellem Schritt tritt Os­wald aus dem Bunker heraus, dreht sich um und sieht nur noch eine große Staubwolke im Stein­bruch hängen. Im Gesicht spürt er den leichten Wind, der an die­sem Tag weht. Innerhalb von we­nigen Minuten ist der Staub be­reits verflogen und Oswald macht sich mit seinem Gelände­wagen auf den Weg nach unten. Wenige Tage haben er und seine Mitarbeiter jetzt Zeit, um die Geröllmassen zu verarbeiten. Dann werden die Pforten des Schotter­werks für mindestens drei Mo­nate in der alljährlichen Winter­pause geschlossen.

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